Anonyme Bewerbung

Ihr habt bestimmt schon von dem im November 2010 auf Initiative der Antidiskriminierungsstelle (ADS) des Bundes in Deutschland angelaufenen Pilotprojekt der anonymen Bewerbung gehört, oder?

Fünf große Arbeitgeber, Telekom, Deutsche Post, L’Oreal, Procter & Gamble und Mydays haben sich an diesem Pilotprojekt beteiligt und nehmen nur noch Bewerbungen ohne persönliche Angaben wie Name, Geburtsdatum, Geschlecht, Adresse, Familienstand und Foto entgegen, um so mögliche Diskriminierungen innerhalb der ersten Stufe des Bewerbungsprozesses zu umgehen und nur nach der fachlichen Eignung über eine Einladung zum Vorstellungsgespräch zu entscheiden.

Das Projekt „Anonyme Bewerbung“ wurde von der Bundesregierung gestartet um der Diskriminierung von Bewerbern aufgrund ihrer Herkunft, ihres persönlichen Hintergrundes oder ihres Aussehens entgegenzuwirken. So sind vor allem Frauen mit Kindern, ältere Menschen und Bewerber mit Migrationshintergrund oder ausländisch klingenden Namen bei Bewerbungen laut der Leiterin der ADS, Frau Christine Lüders, oft im Nachteil. Eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) fand heraus, dass Bewerber mit einem türkisch klingenden Namen im Vergleich zu einem deutschen Bewerber eine bis zu einem Viertel geringere Chance auf eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch haben.

Der Erfolg bzw. die Akzeptanz der anonymen Bewerbung wurde nun in einer repräsentativen Studie des Centre of Human Resources Information Systems (CHRIS) und der Jobsuchmaschine monster.de namens „Bewerberpraxis 2011“ erhoben. Doch die Ergebnisse dieser Studie zeichnen ein eher negatives Bild der anonymen Bewerbung: nur 13 Prozent der Bewerber waren der Meinung, dass der Bewerbungsprozess bei Unternehmen nur noch anonym ablaufen soll und lediglich 11,7 Prozent gingen von einer Verbesserung ihrer Chancen innerhalb des Bewerbungsprozesses durch die anonyme Bewerbung aus. Nur 11 Prozent aller Studienteilnehmer wollen in ihrer Bewerbung gerne auf ein Bewerbungsfoto verzichten, doch immerhin 20,8 Prozent der Bewerber mit Migrationshintergrund befürworten den Verzicht auf ein Foto. Von den Bewerbern, die über 50 Jahre alt sind, würden 17 Prozent gerne auf die Angabe des Geburtsdatums verzichten.

Das Ziel der Studie, die Vermeidung von Diskriminierung und Schaffung von Chancengleichheit, ist zwar gut gemeint, jedoch scheitert das Vorhaben wohl an der Umsetzbarkeit, denn eine Bewerbung kann nie völlig anonym sein. Oft sind bestimmte Infos auch ohne konkrete Angaben ableitbar, so wird ein Bewerber, der seinen Wehrdienst angibt, klar als männlich erkannt werden und wenn im Lebenslauf eine große Berufserfahrung auftaucht ist klar, dass der Kandidat kein Berufsanfänger ist, also nicht mehr allzu jung ist.

Wie ist eure Meinung zu diesem Thema? Befürwortet ihr die anonyme Bewerbung als guten Weg um von ungerechter Diskriminierung im Bewerbungsprozess wegzukommen? Oder denkt ihr, dass diese Art der Bewerbung in der Praxis schlecht umsetzbar ist und außerdem damit nicht die Ursache von Diskriminierung bekämpft wird, sondern nur versucht wird ein Symptom in den Griff zu bekommen?

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