Vorstellungsgespräch – Fragen, die der Personaler nicht stellen darf

Ein Vorstellungsgespräch ist dazu da, mehr über den Bewerber, dessen schriftliche Unterlagen bereits überzeugt haben, zu erfahren. Natürlich will man als Bewerber einen möglichst guten Eindruck machen, alle Fragen zur eigenen Person und zur bisherigen Laufbahn kompetent beantworten und keine Fragen unbeantwortet lassen.
Es kommt jedoch vor, dass Personaler im Vorstellungsgespräch ihre Position ausnutzen und mit bohrenden Fragen Dinge über den Bewerber in Erfahrung bringen wollen, die sie rechtlich betrachtet gar nicht erfragen dürfen.

Zu diesen unerlaubten Fragen gehören alle Fragen zu den Themen:

  • Krankheiten
  • Schwangerschaft/Familienplanung/Beziehungsstatus
  • sexuelle Orientierung
  • religiöse Ansichten
  • politische Ansichten
  • Gewerkschaftszugehörigkeit
  • Kündigungsgrund beim alten Arbeitgeber
  • Vermögensverhältnisse/Schulden
  • aktuelles Gehalt
  • ehrenamtliches Engagement in Verbänden/Vereinen
  • Vorstrafen
  • private Vorlieben
  • Alkohol-/Drogenkonsum

Ausnahmen gibt es jedoch bei Bereichen wo eine Offenbarungspflicht vorliegt, wo also ein berechtigtes Interesse des zukünftigen Arbeitgebers besteht, weil die grundsätzliche Eignung für den Job in Fragen steht. So ist es beispielsweise bei Arbeiten in der Gastronomie wichtig keine schwerwiegenden ansteckenden Krankheiten zu haben, ein Chauffeur sollte möglichst keine Verkehrsdelikte vorweisen können, ein Bankangestellter nicht vorbestraft sein und bei einer Arbeit im kirchlichen Bereich ist auch die Frage nach der Religionszugehörigkeit berechtigt.

Seit der Einführung des AGG (Allgemeines Gleichstellungsgesetz) können Personaler für unzulässige Fragen sogar belangt werden, wenn der Bewerber beweisen kann, dass er aufgrund seines Alters, seiner Herkunft, seiner religiösen, politischen oder sexuellen Orientierung oder sonstiger, sein Privatleben betreffender, Themen den Job nicht erhalten hat und somit diskriminiert wurde.

Werden euch während des Vorstellungsgesprächs solche unzulässigen Fragen gestellt, habt ihr drei Möglichkeiten:

  • Ihr antworten gar nicht, sondern weißt darauf hin, dass die Frage unzulässig ist oder ihr stellt eine Gegenfrage á la „Welchen Bezug hat diese Frage zu der ausgeschriebenen Stelle?“
  • Ihr antwortet ausweichend und lenkt geschickt zu einem anderen Thema
  • Ihr lügt einfach. Denn auch wenn sonst natürlich gilt, in einer Bewerbung immer die Wahrheit zu sagen, so müssen verbotene Fragen nicht wahrheitsgemäß beantwortet werden. Diese Lügen kann euch auch im Nachhinein niemand ankreiden, geschweige denn als Kündigungsgrund heranziehen.

Natürlich solltet ihr aber trotz der unerlaubten Fragen freundlich bleiben und versuchen, das Gespräch so entspannt wie möglich weiter zu führen. Überlegen solltet ihr euch aber auch was es für ein Licht auf euren eventuellen zukünftigen Arbeitgeber wirft, wenn er euch mit solch unangenehmen Fragen versucht in die Enge zu treiben. Vielleicht sagt das ja auch einiges über das Arbeitsklima aus und ihr solltet euch eventuell doch besser für einen anderen Arbeitgeber entscheiden.

Habt ihr schon mal Erfahrungen mir unangenehmen bzw. unerlaubten Fragen während des Vorstellungsgesprächs gemacht? Wenn ja, wie habt ihr darauf reagiert?

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